Sonntag, 5. September 2010

Jugend und Gewalt


 Erschienen in der Zuger Woche im April 2008, von Dorothea Wattenhofer

 

 

Seit mehreren Monaten steht Rotkreuz im medialen Fokus zum Thema Jugend und Gewalt, sei es mit Zeitungsartikeln oder den dadurch resultierenden Leserbriefen. Dies hat den Anschein erweckt, dass wir die einzige Gemeinde im Kanton Zug mit diesem Problem seien und dass es in Rotkreuz besonders schlimm zu und her gehe.

 

Tatsache ist, dass sich in Rotkreuz jeden Tag 5000 Zu- und Wegpendler kreuzen, der Bahnhof also zum Lebensnerv der Gemeinde geworden ist. Gewaltvorfälle in diesem Bereich werden deshalb mit besonderem Interesse verfolgt, sind doch einige Bewohner als Benützer dieses öffentlichen Raumes besonders betroffen. Es ist daher verständlich, dass ein konsequentes Handeln mit repressiven Massnahmen zum Schutze dieser sensiblen Zone gefordert wird. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass sich trotz verstärkten Kontrollen der neuralgischen Punkte solche gewalttätigen Übergriffe nicht restlos vermeiden lassen. Daher gilt es, präventive Projekte und Massnahmen zu fördern. Mit der Vernetzung der Tätigkeitsbereiche von Jugendanimation, Schulsozialarbeit und Gesundheitsförderung können die problematischen Gruppen direkt angesprochen und einbezogen werden.

Die Schule nimmt das Thema Gewalt ernst. Sie lanciert themenspezifische Projekte und setzt sich im Rahmen des Schülerparlamentes mit dem Thema auseinander. Als internes Angebot ist die Schulsozialarbeit für Beratung, Prävention, Früherfassung und als Anlaufstelle zuständig.

Die Jugendanimation begleitet die Jugendlichen in der Freizeit mit Angeboten und spezifischen Projekten. Eine Vielfalt von Vereinen macht im Sportbereich aktiv Gesundheitsförderung und bieten Kindern und jungen Erwachsenen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung.

 

All diese präventiven Anstrengungen sind jedoch wirkungslos, wenn wir nicht bereit sind, diese Werte, die wir vermitteln wollen, als Gesellschaft auch vorzuleben. Dabei geht es nicht nur um körperliche Gewalt. Vielmehr muss auch der gesellschaftliche Umgang miteinander thematisiert werden. Oft liegen körperlicher Gewalt Respektlosigkeit und geringe Wertschätzung in der Sprache zugrunde. Das Thema „Jugend und Gewalt“ beschäftigt nicht nur in unserer Gemeinde die Behörden und alle, die sich mit Kinder und Jugendlichen auseinandersetzen. Sie ist ein gesellschaftliches Phänomen und bedingt die Mitwirkung aller, Erwachsene und Jugendliche, um eine Kultur der Toleranz und des gegenseitigen Respekts zu schaffen.

 

 

Dorothea Wattenhofer-Reichardt

 

Gemeinderätin Risch-Rotkreuz

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